Fragen und Antworten

Die arthroplastische (gelenkplastische) Abrasio (AA) und Hohe Tibia-Osteotomie (HTO) als Alternative zur Knieprothese

Für wen kommt die arthroplastische Abrasion in Frage?

Für alle Menschen, unabhängig vom Alter, die an Kniegelenksarthrosen und einer Achsenfehlstellung der Beine leiden. Zuerst zur Arthrose: Hier handelt es sich um einen Verschleiß durch übermäßigen Abrieb des Gelenkknorpels. Neben dem natürlichen Alterungsprozess können dabei zusätzliche Faktoren wie ständige Überlastung, Übergewicht und Achsenfehlstellung des Kniegelenkes verursachend sein. Die Arthrose äußert sich durch mit der Zeit anwachsende Belastungs- und Bewegungsschmerzen. In fortgeschrittenem Stadium treten die Schmerzen auch im Ruhezustand auf. Spätestens dann ist das Kniegelenk in seiner bestehenden Form ohne erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität nicht mehr zu erhalten. Doch ehe jetzt eine herkömmliche Prothese eingesetzt wird, raten wir dringend, eine arthroplastische Abrasion in Erwägung zu ziehen.

Wie funktioniert das Verfahren und was bewirkt es?

In der Belastungszone des betroffenen Gelenkes finden sich häufig vollschichtige Knorpeldefekte mit freiliegenden Knochen, auch Knochenglatze genannt. Hier wird die gefäßführende Grenzschicht der Knochenrinde angefräst, aus der dann Ersatzknorpelgewebe hoch wächst, also Bio-Knorpelgewebe. Dieses Gewebe ersetzt den verschlissenen Teil des Gelenkknorpels, um es so vereinfachend wie möglich darzustellen. Dieses Verfahren ist die sogenannte arthroplastische Abrasion, die auch als Bio-Prothese bezeichnet wird.

Klingt eigentlich ganz einfach. Weshalb wird dieses Verfahren nicht allgemein angewandt?

Es klingt einfacher als es tatsächlich ist. Wir arbeiten hier seit 20 Jahren mit und an diesem Verfahren, haben es praktisch mitentwickelt. Und noch heute lernen wir hier immer weiter dazu. Die arthroplastische Abrasion ist eine Operation, die absolute Präzision erfordert. Selbst die kleinste Abweichung führt zwangsläugfig zum Scheitern. Bis heute existiert in Deutschland kaum eine Handvoll Kliniken, die auf diesen Eingriff spezialisiert sind und auch weltweit sind es viel zu wenig, wobei übrigens die Amerikaner recht fortschrittlich sind.

Ist das Verfahren für die Patienten besonders schmerzhaft oder belastend?

Im Gegenteil. Immerhin ist die arthroskopische Chriurgie, mit der wir arbeiten, die zur Zeit modernste Behandlungsmethode von Gelenkerkrankungen. Dabei wird zunächst das Innere des Kniegelenks mit einem kleinen Teleskop, auf dem eine speziell für die Weltraumforschung entwickelte Kamera montiert ist, inspiziert, um den Grund der Beschwerden festzustellen. Der Patient kann die Untersuchung auf einem Fernsehschirm live mitverfolgen. Die Operation selbst wird dann mit speziell entwickelten Mini-Instrumenten durchgeführt. Statt das Knie breit aufzuschneiden, hinterlässt der Eingriff winzige Narben, die später kaum noch zu sehen sind. Und auch die Heilungszeit ist kürzer, so dass der Klinikaufenthalt nur kurzfristig ist. Nicht zuletzt sind hierbei auch Komplikationen im Vergleich zu bisherigen Methoden viel seltener.

Worin besteht denn der Unterschied zur klassischen Gelenkprothetik?

Der ist ganz erheblich. Wer eine herkömmliche Prothese trägt, darf bei gutem Verlauf auf komplikationslose Funktion von etwa zehn Jahren ohne Lockerung hoffen. Spätestens dann ist der nächste Eingriff notwendig. Der Bio-Knorpel, der dem menschlichen Knorpel ähnlich ist, wird hingegen mit fortdauernder Zeit immer fester und belastungsfähiger. Zudem ist die herkömmliche Gelenkprothese weit weniger stabil. Zwar kann der Betroffene damit von A nach B laufen, aber sportliche Betätigung gestaltet sich sehr problematisch. Die Bio-Prothese ersetzt das verschlissene Gewebe vollwertig, das Gelenk erhält seine Beweglichkeit komplett zurück. Der Patient gewinnt entschieden mehr an Lebensqualität.

Sie sagten, das Verfahren wird mit Achsenkorrektur kombiniert. Wie funktioniert das?

Bei X- oder O-Beinstellungen muss eine Achsenkorrektur durch valgisierende oder varisierende Umstellungsosteotomie durchgeführt werden. Wir wenden ein kombiniertes Verfahren aus Bio-Knorpel und Umstellungsosteotomie, unter natürlicher Erhaltung des Kniegelenkes, an. Es handelt sich auch hier um eine sehr sinnvolle Alternative zur prothetischen Versorgung. Dieses kombinierte Verfahren ist der Prothese meines Erachtens weit überlegen. Langzeitstudien über mehr als zehn Jahre zu diesem Thema belegen das hinreichend. Ich verweise hier auf entsprechende Publikationen durch die weithin bekannte Münchner Kapazität Dr. Jürgen Toft, den international bekannten und renommierten Chirurgen Prof. Richard Steadman und durch mich selbst.

Wieviele Menschen haben Sie bereits mit der Bio-Prothese versorgt und aus welchem Einzugsbereich?

Seit Eröffnung der Klinik im Jahre 1985 waren es inzwischen mehr als 40.000 Patienten. Natürlich stammte die Mehrzahl aus Deutschland. Aber wir dürfen mit Fug und Recht von uns sagen, dass Betroffene aus der ganzen Welt unser Können in Anspruch nahmen und nehmen.

Gibt es bei der arthroplastischen Abrasion auch Risiken, die ein Patient in Erwägung ziehen sollte?

Ja, es gibt ein Risiko. Und zwar kommt es in einer sehr kleinen Zahl der Fälle vor, dass die Operation nicht gelingt wie geplant oder das Bio-Knorpelgewebe nicht entsprechend wächst. In diesem Fällen sind wir gezwungen, auf die herkömmliche Prothese zurückzugreifen. Aber auch hier sehe ich einen großen Vorteil für unser Verfahren. Der Einsatz der klassischen Prothese ist in meinen Augen die Bankrotterklärung schlechthin. Denn ist sie erst einmal eingesetzt, hat der Patient überhaupt keine anderen Optionen mehr. Bei Anwendung der Bio-Prothese hingegen dient die herkömmliche Gelenkprothese als Option für den seltenen Fall des Scheiterns.

Wir kommt nun ein Normalsterblicher, also ein Patient mit gesetzlicher Krankenkassenversorgung, zu einer Bio-Prothese?

Natürlich bei uns. Meine Klinik ist zugelassen für alle Krankenkassen und hat einen festen Platz im Bedarfsplan des Landes Niedersachsen. Wer sich für eine arthroplastische Abrasion entscheidet, kann nach einer Wartezeit von derzeit etwa zwei Monaten mit seiner Operation rechnen. Akute Fälle werden natürlich vorgezogen.

Soll ich die AA + HTO in Betracht ziehen, oder mich gleich für eine Knieprothese entscheiden?

In 95% aller Fälle befreien die AA+HTO den Patienten von osteoarthritischen Knieschmerzen (Schmerzen nachts, in Ruhestellung und bei Bewegung). Die Knieprothese befreit ebenso von Schmerzen, aber schon beim Einsetzen werden die Mechanismen zur Lockerung der Prothese aktiviert. Ein Aufschub dieses Eingriffs ist daher immer wünschenswert. Außerdem ist auch nach AA + HTO noch das Einsetzen einer Prothese möglich!

Wie viele Jahre kann ich nach AA + HTO erwarten schmerzfrei zu sein?

Wir haben viele Fälle, bei denen die Patienten auch 10 Jahre nach dem Eingriff noch schmerzfrei sind.

Wer ist ein geeigneter Kandidat für die Operation?

Der Patient mit einseitiger Osteoarthritis und intaktem seitlichen Kompartiment.

Wie hoch ist die Erfolgsquote?

Der Schmerz verschwindet, wir erzielen optimale Ergebnisse bei 86% der Patienten.

Wie lange dauert es, bis der Schmerz nach der Operation verschwindet?

In der ersten postoperativen Nacht.

Wie lange dauert das Rehabilitations-Programm?

4 Wochen lang keine hohe Belastung, kontinuierlich passive Bewegungsübungen um die Bildung vom Stammzellen und die Umwandlung der Stammzellen in chondrozytenähnliche Zellen zu unterstützen.

Was verliere ich, falls die Behandlung nicht anschlägt?

Gar nichts, das Einsetzen einer Knieprothese ist ohne zusätzliches Risiko noch immer möglich.

Können AA + HTO im selben Knie wiederholt angewandt werden?

Falls der Schmerz wiederkehrt kann AA erneut angewendet werden, bei HTO hängt es von verschiedenen Faktoren ab, u.a. vom Zustand des Knorpels am seitlichen Tibiaplateau.

Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes

Mein Knie ist seit einer Kreuzbandverletzung instabil, so dass ich keinen Sport mehr ausüben kann. Wird sich das nach einer Kreuzbandrekonstruktion ändern?

Ja, nach Anwendung der Quadriloop Technik ist das Knie wieder stabil genug für Fußball und intensive sportliche Aktivitäten.

Wann kann ich wieder aktiv mit dem Sport beginnen?

Nach 3 Monaten kann wieder mit dem Laufen begonnen werden, für hohe Belastungen durch professionellen Sport werden 12 Monate zur Rehabilitation benötigt.

Mein Kreuzband ist vor 10 Jahren gerissen, kann ich noch immer von einer Operation profitieren?

Ein Knie ohne Kreuzband ist anfälliger für Osteoarthritis als ein normales Knie, das kommt durch die Instabilität und das Nachgeben, wodurch es zu Meniskusriss und Knorpelschäden führen kann. Das Nachgeben kann auftreten ohne bemerkt zu werden, aber es hat trotzdem denselben vernichtenden Effekt auf Meniskus und Knorpel.
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